Equal Pay heißt: Leiharbeitnehmer erhalten das gleiche Arbeitsentgelt wie vergleichbare Beschäftigte des Kunden. Gesetzlich gilt das vom ersten Tag an. Die bekannten Fristen von neun und fünfzehn Monaten gelten nur, wenn ein Tarifvertrag der Zeitarbeit angewendet wird.
Dieser Beitrag erklärt die Regel, ihre Ausnahmen und die typischen Fehler in der Praxis.
Grundsatz: Equal Pay ab dem ersten Tag
Der Gleichstellungsgrundsatz steht in § 8 Abs. 1 AÜG. Danach muss der Verleiher dem Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung die wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts gewähren, die für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers gelten.
„Der Verleiher ist verpflichtet, dem Leiharbeitnehmer für die Zeit der Überlassung an den Entleiher die im Betrieb des Entleihers für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers geltenden wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts zu gewähren (Gleichstellungsgrundsatz).“
Neun Monate – nur mit Tarifvertrag
Ein Tarifvertrag kann vom Gleichstellungsgrundsatz abweichen (§ 8 Abs. 2 AÜG). Beim Arbeitsentgelt ist das aber nur für die ersten neun Monate einer Überlassung an denselben Entleiher erlaubt (§ 8 Abs. 4 Satz 1 AÜG).
Die Frist beginnt mit dem ersten Einsatztag beim Entleiher. Entscheidend ist der Entleiher, nicht die Tätigkeit.
Unterbrechungen von höchstens drei Monaten setzen die Frist nicht zurück – auch dann nicht, wenn der Mitarbeiter zwischendurch über einen anderen Verleiher beim selben Entleiher war (§ 8 Abs. 4 Satz 4 AÜG).
Bei Teilzeit zählen Kalendermonate, nicht Arbeitsstunden.
Fünfzehn Monate – mit Branchenzuschlägen
Länger als neun Monate darf ein Tarifvertrag nur abweichen, wenn er nach einer Einarbeitungszeit von höchstens sechs Wochen eine stufenweise Heranführung an das Vergleichsentgelt vorsieht und nach spätestens 15 Monaten ein Entgelt erreicht wird, das der Tarifvertrag als gleichwertig festlegt (§ 8 Abs. 4 Satz 2 AÜG). Diese Heranführung regeln die Tarifverträge über Branchenzuschläge (TV BZ).
Ob ein TV BZ gilt, richtet sich nach dem Einsatzbetrieb; der Kunde muss nicht tarifgebunden sein. Im TV BZ ME kommt es auf die Branche an. Auch Betriebe, die an ein regionales Tarifwerk der Metall- und Elektroindustrie gebunden sind, zählen dazu, und in Zweifelsfällen entscheidet der im Kundenbetrieb angewandte Tarifvertrag. Handwerksbetriebe sind ausgenommen.
Ab wann der erste Zuschlag fällig ist, regelt der jeweilige TV BZ: In der Metall- und Elektroindustrie gilt er ab Einsatzbeginn (15 %), andere TV BZ können ihn später vorsehen, gesetzlich nach höchstens sechs Wochen Einarbeitung. Bis zum 15. vollendeten Monat kann der Kunde im TV BZ ME eine Deckelung geltend machen: Der Zuschlag ist dann derzeit auf die Differenz zu 90 % des regelmäßigen Stundenentgelts eines vergleichbaren Arbeitnehmers begrenzt, das der Kunde nachweisen muss.
Beispiel: Einsatz in der MetallindustrieEin Mitarbeiter arbeitet seit zehn Monaten in einem Metallbetrieb. Der Branchenzuschlag nach TV BZ ME wird seit dem ersten Tag gezahlt und steigt stufenweise. Ergebnis: Das gleichwertige Entgelt ist spätestens nach 15 Monaten erreicht – nicht schon nach neun.
Wenn Zuschläge nicht gezahlt werdenWird der Branchenzuschlag nicht wie im TV BZ vorgesehen gezahlt, schuldet der Verleiher die Nachzahlung. Zudem drohen Bußgelder bis zu 500.000 € (§ 16 Abs. 1 Nr. 7a, Abs. 2 AÜG) und Folgen für die AÜG-Erlaubnis. Welche weiteren Folgen sich im Einzelfall ergeben, sollte arbeitsrechtlich geprüft werden.
Drehtürklausel: Equal Pay ab Tag 1
Die tarifliche Abweichung gilt nicht für Leiharbeitnehmer, die in den letzten sechs Monaten vor der Überlassung aus einem Arbeitsverhältnis beim Entleiher – oder bei einem mit ihm im Konzern verbundenen Arbeitgeber – ausgeschieden sind (§ 8 Abs. 3 AÜG). Für sie gilt Equal Pay vom ersten Tag an.
Was zählt zum Vergleichsentgelt?
Maßgeblich ist das Entgelt, das der Leiharbeitnehmer erhielte, wenn er direkt beim Entleiher angestellt wäre. Verglichen wird das Gesamtentgelt – einschließlich Zulagen und Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Stichtagsregeln des Kunden gelten dabei auch für den Leiharbeitnehmer; Zahlungen, die ausschließlich die Betriebstreue belohnen, zählen nach verbreiteter Ansicht nicht mit.
Das Gesetz regelt nicht ausdrücklich, was gilt, wenn es beim Entleiher keinen vergleichbaren Arbeitnehmer gibt. Nach überwiegender Auffassung wird dann ermittelt, was der Leiharbeitnehmer bei einer Einstellung beim Entleiher erhielte. Wendet der Entleiher ein allgemeines Entgeltschema an, kommt es auf die fiktive Eingruppierung an (BAG, 5 AZR 242/12).
Die Angaben zu den Arbeitsbedingungen vergleichbarer Arbeitnehmer muss der Entleiher im Überlassungsvertrag machen (§ 12 Abs. 1 AÜG). Der Leiharbeitnehmer kann beim Entleiher Auskunft verlangen (§ 13 AÜG).
Vier typische Fehler bei Equal Pay
Diese Fehler führen in der Praxis immer wieder zu Nachzahlungen:
Frist falsch gezählt
Unterbrechungen von höchstens drei Monaten setzen die Frist nicht zurück – auch nicht über einen anderen Verleiher.
Drehtür übersehen
Wer in den sechs Monaten vor dem Einsatz beim Kunden beschäftigt war, hat ab dem ersten Tag Anspruch auf Equal Pay.
Branche falsch zugeordnet
Ob ein TV BZ gilt, hängt vom Einsatzbetrieb und seiner Branche ab. Der Kunde muss dafür nicht tarifgebunden sein.
Vergleichsentgelt unvollständig
Zulagen und Sonderzahlungen gehören zum Vergleich – nicht nur der Stundenlohn.
FAQ zu Equal Pay in der Zeitarbeit
Ab dem ersten Tag der Überlassung (§ 8 Abs. 1 AÜG).
Ja. Es zählen Kalendermonate, nicht Arbeitsstunden.
Dann wird nach überwiegender Auffassung ermittelt, was der Leiharbeitnehmer bei einer Einstellung beim Kunden verdienen würde. Wendet der Kunde ein allgemeines Entgeltschema an, kommt es auf die fiktive Eingruppierung an (BAG, 5 AZR 242/12).
Der Entleiher muss die wesentlichen Arbeitsbedingungen vergleichbarer Arbeitnehmer im Überlassungsvertrag angeben (§ 12 Abs. 1 AÜG). Der Leiharbeitnehmer kann beim Entleiher Auskunft verlangen (§ 13 AÜG).
Grundsätzlich ja, etwa Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Stichtagsregeln des Kunden gelten auch für den Leiharbeitnehmer; Zahlungen, die ausschließlich die Betriebstreue belohnen, zählen nach verbreiteter Ansicht nicht mit.
Wer Equal Pay oder den tariflichen Branchenzuschlag nicht gewährt, muss nachzahlen. Zudem drohen Bußgelder bis zu 500.000 € (§ 16 Abs. 1 Nr. 7a, Abs. 2 AÜG) und Folgen für die AÜG-Erlaubnis.
Equal Pay ist eine Frage der Fristen – und der Daten.
Die Regel ist klar, die Umsetzung nicht: Fristen je Mitarbeiter und Kunde, Branchenzuschläge nach Tarif und das Vergleichsentgelt des Kunden müssen zusammenpassen.
In SBM legen Sie die Equal-Pay-Art je Kunde fest. SBM ermittelt Beginn und Ende je Mitarbeiter und Kunde und rechnet mit dem beim Kunden hinterlegten Vergleichsentgelt.
Equal Pay & Branchenzuschläge in SBMStand: Oktober 2026. Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Quellen: §§ 8, 12, 13, 16 AÜG; BAG, 5 AZR 242/12; Tarifvertrag über Branchenzuschläge Metall- und Elektroindustrie (TV BZ ME, gültig seit 01.01.2026). Foto: AnnaStills / Envato Elements.

